India Pale Ale (IPA)
India Pale Ale (IPA)
Das India Pale Ale, allgemein bekannt als IPA, ist wohl der wichtigste Stil der modernen Craft-Beer-Revolution. Charakterisiert durch einen blumigen, fruchtigen, zitrusartigen, harzigen oder würzigen Hopfencharakter, ist das IPA ein Stil, bei dem sich alles um die Hopfenblüte Humulus lupulus dreht.
Obwohl historisch für seine hohe Bitterkeit bekannt, hat sich der Stil in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich weiterentwickelt und sich in weichere, saftige und trübe Versionen verzweigt, die die Gaumen von Trinkern auf der ganzen Welt erobert haben.
Geschichte: Vom Imperium zur Revolution
Die Entstehungsgeschichte des IPA ist eine der am meisten diskutierten und mythologisierten in der Brauchronik.
Der Mythos
Die populäre Geschichte besagt, dass englische Brauer ihren Ales zusätzlichen Hopfen hinzufügten, um sie während der langen Seereise zu den in Indien stationierten britischen Truppen zu konservieren. Obwohl ein Körnchen Wahrheit darin steckt, ist es eine starke Vereinfachung.
Die Realität
Ende des 18. Jahrhunderts exportierte George Hodgson von der Bow Brewery im Osten Londons Bier nach Indien. Sein “October Beer” – ein stark gehopftes, hochprozentiges Pale Ale, das über längere Zeiträume gereift war – profitierte merklich von der Reise. Das Schaukeln des Schiffes und die Temperaturschwankungen ließen das Bier quasi reifen, sodass es in Indien in optimalem Zustand ankam.
Der hohe Alkoholgehalt und die antiseptischen Eigenschaften des Hopfens schützten das Bier vor dem Verderben, aber diese Biere wurden bereits vor dem Höhepunkt des Indien-Handels für den Inlandsverbrauch gebraut. In den 1830er Jahren tauchte der Begriff “East India Pale Ale” in Anzeigen auf.
Die moderne IPA-Landschaft
Heute ist “IPA” eher eine Kategorie als ein einzelner Stil. Hier sind die wichtigsten Variationen, denen Sie begegnen werden:
1. English IPA
Das Original. Ausgewogen und erdig.
- Hopfen: Fuggles, Goldings (erdig, blumig, würzig).
- Malz: Keksiger und röstiger Charakter von englischen Pale-Malzen.
- Profil: Moderater Alkohol (5–7 %), feste, aber nicht überwältigende Bitterkeit.
2. West Coast IPA
Der Stil, der den Aufstieg des amerikanischen Craft Beers definierte (man denke an Sierra Nevada, Stone, Lagunitas).
- Hopfen: Cascade, Centennial, Chinook, Citra (Zitrus, Kiefer, Harz).
- Hefe: Saubere amerikanische Ale-Hefe (Chico-Stamm).
- Profil: Klar, trockenes Finish, hohe Bitterkeit (IBU 60+) und aggressive Aromen von Grapefruit und Kiefer.
3. New England IPA (NEIPA) / Hazy IPA
Das moderne Schwergewicht.
- Hopfen: Mosaic, Galaxy, Citra (tropische Früchte, Steinobst).
- Prozess: Hopfen wird spät im Kochen oder während der Fermentation (Dry-Hopping) hinzugefügt, um das Aroma zu maximieren und die Bitterkeit zu minimieren.
- Profil: Opak und trüb (aufgrund von Hafer/Weizen und Hopfenölen), cremiges Mundgefühl, geringe Bitterkeit, schmeckt nach Fruchtsaft.
4. Double / Imperial IPA (DIPA)
Einfach von allem mehr.
- Profil: Höherer Alkohol (7,5 % – 10 % ABV), kräftigere Malzbasis, um riesige Hopfenmengen zu tragen.
Sensorisches Profil
Beim Verkosten eines IPA interagieren Sie mit dem gesamten Spektrum der Hopfenpflanze.
- Aussehen: Variiert von leuchtend klarem Gold (West Coast) bis zu opakem Orange (NEIPA). Die Schaumkrone sollte gut stehen.
- Aroma: Das ist das Hauptereignis. Suchen Sie nach Noten von Mandarine, Mango, Kiefernnadeln, frisch geschnittenem Gras, Pfirsich oder Harz.
- Geschmack: Die Bitterkeit kann von einem “Hopfenschlag”, der nachklingt, bis zu einem seidenweichen Finish reichen. Das Malz ist in der Regel zweitrangig und bietet gerade genug Süße, um das Bier trinkbar zu machen.
- Mundgefühl: Mittlerer Körper und glatt. Die Karbonisierung ist in der Regel moderat bis hoch, um das Aroma zu heben.
Servieren und Gläser
- Temperatur: Servieren Sie es zwischen 7–10 °C (45–50 °F). Zu kalt und Sie überdecken die Hopfenverbindungen; zu warm und der Alkohol wird zu präsent.
- Gläser:
- Spiegelau IPA Glas: Entworfen mit einer geriffelten Basis, um das Bier bei jedem Schluck zu belüften, und einem konischen Kelch, um Aromen zu konzentrieren.
- Shaker Pint: Standard, aber suboptimal.
- Tulpe / Teku: Hervorragend geeignet, um das Aroma einzufangen.
Food Pairing (Speisenbegleitung)
Manche sagen, IPAs seien wegen der Bitterkeit schwer zu kombinieren, aber sie sind eigentlich recht vielseitig:
- Scharfe Gerichte: Der klassische Partner. Indische Currys, thailändische Gerichte oder mexikanische Tacos. Der Hopfen schneidet durch die Schärfe, obwohl der hohe Alkoholgehalt die Hitze verstärken kann.
- Fettige Speisen: Fried Chicken, Fish and Chips oder ein Burger. Die Karbonisierung und Bitterkeit reinigen den Gaumen vom Fett.
- Käse: Alter Cheddar, Gorgonzola oder Blauschimmelkäse. Die starken Aromen des Käses können mit den starken Aromen des Hopfens mithalten.
- Nachtisch: Karottenkuchen oder Apfelkuchen mit Karamell. Besonders bei Double IPAs, die genug Restzucker haben, um zum Dessert zu passen.
Fazit
Das IPA ist ein widerstandsfähiger Stil, der sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals neu erfunden hat. Ob Sie die knackige Bitterkeit eines West-Coast-Klassikers oder den tropischen Milkshake eines Hazy IPA bevorzugen, es gibt ein India Pale Ale für Sie.